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Unsere Gedanken zur SCHULE


Einleitung

Die Kinder- und Jugendarbeit in Wien versteht sich als ein Angebot für Kinder und Jugendliche und hat einen starken Focus auf soziale Inklusion.

Sie berücksichtigt Diversität, fördert Motivation und stärkt das Selbstwertgefühl.

Wir schätzen die Neugierde, wir stützen die Persönlichkeitsentwicklung, wir schützen die Interessen von Kindern und Jugendlichen.

Wir nehmen Kinder und Jugendliche ernst, wir nehmen auch einen sehr großen Bereich ihres Lebens ernst – die Schule.

Wir sind beauftragt, sie zu begleiten und zu beraten. Daher setzen wir uns auch kritisch parteilich mit diesem Lebensbereich auseinander.

Eine unserer Aufgaben ist es, Individualität und ihre Ausformungen zu ermöglichen und verfolgen damit – ebenso wie die Schule – einen Bildungsauftrag im Sinne der Allgemeinheit.

Wir betrachten – wie die Schule? – diese wertvollen Ressourcen einzelner als unerlässlichen Beitrag zu einer kreativen und innovativen Gesellschaft.

Wir sehen Gesellschaft und Schule bereichert durch unterschiedliche Fähigkeiten und Zugänge ihrer Mitglieder und dadurch fähig, zukünftigen Herausforderungen konstruktiv entgegenzutreten.

Darüberhinaus sind wir daran interessiert in einer Welt zu leben,

·    die Kinder und Kindheit bzw. Jugendliche und ihre Lebenswelt als wertvollen Teil annimmt
·    die Lernen als Antrieb jeglicher Entwicklung ansieht
·    und Chancengerechtigkeit als nachhaltige Investition in die Zukunft bewertet und sichert

Aus all diesen Gründen und Feststellungen können und wollen wir uns an der Diskussion über Schule beteiligen, Vorschläge machen, Forderungen stellen.

Gedanken

Wir wissen, dass individuelle Förderung personalintensiv ist. Wir sehen es als nötig, dass junge Menschen über eine kontinuierliche Betreuung hinaus viele „diverse“ Erwachsene kennen lernen können, sich an deren Lebensmodellen orientieren und Vorbilder benötigen, um eine eigene Persönlichkeit auszuformen.

Wissenserwerb ist einerseits von den vorhandenen Möglichkeiten und Fähigkeiten der SchülerInnen abhängig und andererseits auch – und zwar immer – von den angebotenen Möglichkeiten und Fähigkeiten der Lehrenden abhängig.

Junge Menschen sind nur dann neugierig und aufnahmebereit, wenn sie auf motivierte und inhaltlich kompetente LehrerInnen treffen. Diese Partnerschaft ist sinnvoll, möglich und in einer reichen Gesellschaft wie der unseren, die Prioritäten setzt, auch leistbar.

Fortbildungen, Freijahre, Sabbaticals, Forschung, Reisen und Qualitätsmanagement helfen einem Bildungssystem einschließlich der JugendarbeiterInnen und LehrerInnen inhaltlich kompetent zu sein und zu bleiben, freudvoll zu arbeiten und in persönlicher Balance zu leben. Ziel dieser Forderungen ist die Komplettierung des Berufsbildes.

Es ist lediglich eine Frage der Prioritätensetzung, ob die Gesellschaft das Potential künftiger Generationen nutzt, indem sie ebendiesen Generationen selbst gut ausgebildete, ihre Arbeit liebende und zum Umgang mit Menschen fähige LehrerInnen zur Verfügung stellt.

Kinder- und Jugendarbeit und Schule haben in im großen und ganzen die gleichen Zielgruppen und verfolgen ähnliche Ziele. Es gibt viele Überschneidungsfelder, mögliche Kooperationen und partnerschaftliche Ergänzungen. Es bedarf einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Frage „Was soll in der wertvollen Lebenszeit zwischen 6 und 15/19 Jahren passieren und erreicht werden, damit stabile junge erwachsene Persönlichkeiten – fähig zu Kooperation, respektvoll und mit fachlicher Kompetenz ausgestattet – die Zukunft unseres Landes gestalten?“

Wir fordern gut überlegte und konsistente Konzepte anstelle von jahrzehnte währenden experimentellen Veränderungen, die mit wenigen Auswirkungen nur wenige betreffen.

Wir sehen kleine und große Menschen, die die Angebote unserer Einrichtungen nutzen, als soziale Wesen. Wir bewerten die Bedürfnisse und die Lernbereitschaft einzelner, aber auch das gemeinsame Erarbeiten als Gewinn für alle Beteiligten. Wir wünschen uns die gesellschaftliche Implementierung des lebenslangen Lernens als stützende Säule für die Demokratie und die Teilhabe an demokratischen Prozessen.

Teilhabe, Verantwortung und Förderung von Ideen verlangt von klein auf Einbeziehung und Verhaltenstraining. Nicht theoretisch, sondern praktisch anhand von Mitbestimmung bei überblickbaren, jeweils relevanten und zeitnah realisierbaren Einheiten. Teilhabe und Mitbestimmung sind nicht bloß faire Angebote, sondern nötiges Training für späteres politisches verantwortliches Handeln, ohne den sozialen Zusammenhalt zu gefährden, vielleicht sogar gewaltbereit zu werden.

So wie viele LehrerInnen kennen auch wir höchst belastende Arbeitssituationen. Mit der hilfreichen Begleitung durch Supervision konzipieren wir immer wieder lösungsorientierte Strategien. Wir denken, dass Supervision für alle in der Schule Tätigen eine noch nicht genutzte Chance ist, die seelische Gesundheit und Arbeitszufriedenheit zu fördern. Diese Chance zu ergreifen kommt in weiterer, jedoch unmittelbarer Folge auch den SchülerInnen und dem verbesserten Lernklima zugute.

Unsere Arbeit in Teams verlangt nach Teamsitzungen, in denen wir Bedarf erheben und Möglichkeiten des Handelns diskutieren.

Wir fordern dies auch für Lehrer, da Arbeit in Teams Verantwortung (ver-)teilt, Ideenvielfalt begünstigt, KollegInnen stärkt 

Aus unserem Arbeitsalltag heraus erscheint es uns nahe liegend, dass LehrerInnen, die gleiche SchülerInnen unterrichten, an ihrem Arbeitsplatz die Möglichkeiten haben, in dafür vorgesehenen Teamstunden gemeinsame Schwerpunkte, passende Methoden und Vorgangsweisen erörtern können. Darüberhinausgehend sind Vernetzungen mit anderen Einrichtungen und Schulen förderlich.

Aus der Betrachtung unseres Menschenbildes schätzen wir Individuen als prinzipiell selbstbestimmt und eigenständig ein. Daraus resultiert die Annahme, dass Kinder, Jugendliche und Eltern entscheiden können, welches Ausbildungsmodell passend ist. Der Diversität entsprechend braucht es dazu vielfältige Angebote sowie umfassende Beratung. Jeder von uns kennt die Schwierigkeit anhand fehlender Informationen die richtigen Schritte zu setzen.

Wir beobachten, dass junge Menschen diese Informationen einholen, indem sie Experimentierfelder suchen. Sie machen eigene Erfahrungen, manchmal um zu erkennen, was für sie sicher nicht passt, was ein Fehler wäre. Diese negativen Erfahrungen dürfen wir nicht als Scheitern betrachten, sondern als Teil eines notwendigen Lernprozesses sehen mikt allen daraus resultierenden, gesicherten Erkenntnissen. Die hier allgemein formulierten Beschreibungen spiegeln sich in den oft persönlichen und familiären Krisen wieder, die (zu) frühe und endgültige Entscheidungen verlangen. Fantasie, Erwartungshaltung, Einstellung sind häufig nicht realitätskongruent, sodass wir konkret mehrfache und spätere Entscheidungsoptionen für Ausbildung und Berufswahl fordern.

Chancengerechtigkeit ist selbverständlicher Teil jeglicher qualitativ hochwertiger Aus- und Weiterbildung. Dies verlangt zahlreiche, fachlich kompetente, didaktisch fundierte und an jungen Menschen und deren Familien interessierte PädagogInnen am Lernort (und Lebensraum) Schule. Die strukturellen Voraussetzungen dafür sind von den politischen und bürokratischen Entscheidungsträgern zu gewährleisten.

Unsere Erfahrungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Erfolge und Irrtümer wollen wir auf unterschiedlichen Ebenen mit jenen teilen, die schulisch tätig sind. Damit hoffen wir,

·    bereichernde Erkenntnisse zu gewinnen
·    die Diskussion zu befruchten
·    Kooperationen zu stärken
·    die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zu verbessern
·    die Fähigkeiten unserer Gesellschaft zu stärken, künftigen Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen




Dr.Maja Georgiou
Ronny Wolf

Institut für Erlebnispädagogik
März 2014